Henry Van de Velde

Neue Ausstellung in Brüssel:

“Kunst macht das Leben schön”, dem würde auch der belgische Künstler Henry Van de Velde zustimmen, der sich allerdings nicht mit Sprüchen begnügte, sondern im Laufe seines langen Lebens anschaulich demonstrierte, wie es geht.
Anlässlich seines 150. Geburtstags zeigt das Jubelparkmuseum (Cinquantenaire) mit der Ausstellung „Leidenschaft Funktion Schönheit“ eine Retrospektive dieses großen belgischen Alleskünstlers.
Zwischen 1863 seinem Geburtsjahr (Antwerpen) und 1957 seinem Sterbejahr (Zürich) liegt ein langes und aufregendes Leben. Seiner künstlerischen Energie verhilft er zunächst mit einem Malereistudium in Antwerpen zum Ausdruck. Zunächst malt er nach den Maßstäben des Realismus Landschaftsbilder, lehnt sich aber im Laufe der Zeit immer stärker an die neuen Malereistile an, wie sie Van Gogh und Serrat vertreten.
Aber bald genügt ihm die Malerei nicht mehr: Er will das Leben des Menschen mittels Gestaltung seines Umfeldes verbessern: Geist und Seele sollen im Alltag mit schönen Gegenständen bereichert werden, denn – so seine Überzeugung – ein ästhetisches Umfeld ist ein gesundes Umfeld. Daher wendet er sich ab 1893 der Gestaltung und dem Kunstgewerbe zu und entwirft Design für alle Lebensbereiche.

Die Ausstellung beginnt dann auch mit einem sechsarmigen Leucher, den der Künstler kurz vor 1900 schuf und für ein kleines Vermögen an das Museum verkaufte, das ihn heute stolz präsentiert. Der Gegenstand zeigt bereits früh Van de Veldes Vorliebe für die geschwungene Linie, als Ausdruck für den Fluß des Lebens.

Dabei sind Form und Funktion, also die Zweckmäßigkeit, unzertrennlich. Und diese Überzeugung wird konsequent umgesetzt: Möbel wie Tische, Stühle und Regale, Gebäude, Schmuck, Porzellan und Besteck…alles nicht nur schön, sondern stets auch dem Zweck geweiht. Sogar die Mode wird revolutioniert: statt Korsett sollen die Frauen in seinen Kreationen endlich durchatmen können.

Ein weiteres Glanzstück der Ausstellung ist der Friseursalon von Francois Haby, dem Hoffriseur von Kaiser Wilhelm II. Van de Velde schuf ihn 1900 in Berlin.

Seine produktivste Phase hat Van der Velde in Weimar 1902 – 1917: Hier entwirft er beispielsweise Porzellanteile oder Besteck. Zu bewundern ist ein zeitlos schönes blau-weisses Service von 1903/04, das dann auch von der edlen Meißener Manufaktur gefertigt wurde. Oder ein silbernes Kaffee- und Teeservice von 1902/03. Daneben steht auch mein Lieblingsexponat: eine quadratische Spardose aus Silber (1925), die so klein ist, dass hier wirklich nur überflüssige Pfenninge reinpassen sollten. Schliesslich betätigt sich der Künstler in Weimar auch als eine Art Unternehmensbereater und berät Herstelller von Gebrauchsgütern bei Gestaltung, Fertigung und Vermarktung ihrer Produkte.

Van de Velde demonstriert dann auch die Alltagstauglichkeit seiner Designstücke: Viele bedeutende Menschen gehen im Haus Van de Velde ein und aus und treffen sich an der stilvoll gedeckten Tafel, wie in der Ausstellung gezeigt wird.

Schliesslich schafft der Künstler auch als Architekt bleibende Werte wie die Universitätsbibliothek in Gent oder sein Wohnhaus „Bloemenwerf“ in Uccle oder die Villa Pappeln in Weimar. Bemerkenswert ist hierbei, dass er in diesem Bereich Autodidakt war.

Zurück in Belgien lehrt er Architektur an der Universität Gent und gründet eine Kunstschule in Brüssel. Doch aufgrund seiner persönlichen Verbundenheit mit Deutchland ist er immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. 1947 verlässt er Belgien für immer und zieht nach Zürich. Das bis heute gültige Logo der belgischen Reichsbahnen ist nicht das einzige, was seine Heimat an dieses Allroundtalent erinnern wird.

Ohne die spezifisch belgischen Elemente wurde die in Zusammenarbeit mit der Klassik Stiftung Weimar konzipierte Ausstellung bereits im Neuen Museum in Weimar gezeigt. Die Ausstellung in Brüssel läuft bis zum 12.01.2014.

Kunst inspiriert.Kunst kreiert.s Foto.

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