Mehr Kunst durch Kooperationen

 

Es ist eine verblüffend einfache, aber effiziente Methode und trotzdem nicht gerade üblich:

zwei Museen legen zusammen, um zu verhindern, dass Meisterwerke der Malerei in Privatbesitz verstauben oder dorthin verkauft warden.

So hatte die Familie Rotschild zwei Hochzeitpoträts von Rembrandt (das Doppelporträt von 1634 mit Maerten Soolmans und Oopjen Coppit) dem Louvre vergeblich zum Kaufpreis von 160 Mio. € angeboten. In Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Rijksmuseum schien der Kauf wieder machbar, zumindest wurde darüber nachgedacht. Da der Louvre aber auch den Teilbetrag nicht aufbringen konnte, wurden die Gemälde jetzt vom Reichsmuseum und der niederländischen Regierung gekauft.

Die Werke symbolisieren das “Goldene Zeitalter”, die Kooperation verheisst eine goldene Zukunft für Museumsbesucher.

Der Himmel gehört uns allen, oder?

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Bei selbst erstellten Fotos im öffentlichen Raum ist die Sache klar: der Fotograf besitzt auch das Recht zur Nutzung. Trotzdem sind auch hier zwei Aspekte zu berücksichtigen:

 

Identifizierbare Personen dürfen nicht ohne deren Zustimmung gezeigt werden (Persönlichkeitsrechte), außer es handelt sich um Personen des öffentlichen Lebens.

Unscharfe Zufallsabbildungen sind hingegen erlaubt.

In manchen Ländern ist es nicht immer gestattet ist, ein eigenes Foto von markanten Gebäuden und Kunstwerken im öffentlichen Raum zu nutzen. Im Unterschied zu Deutschland ist dieses auch als Panoramafreiheit bekannte Recht zum Beispiel in Frankreich und Belgien eingeschränkt und eine kommerzielle Verwendung und Verbreitung von Motiven wie Eifelturm oder Atomium sind ohne Erlaubnis untersagt.

Zum Glück hat sich das Europäische Parlament vor kurzem gegen eine europaweite Einführung dieser derzeit nur vereinzelt gültigen Beschränkung ausgesprochen. Das gegenwärtig geltende EU-Urheberrecht überlässt es den Mitgliedstaaten, eine Klausel zur “Panoramafreiheit” in die nationalen Bestimmungen aufzunehmen. Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einer Anpassung der entsprechenden Gesetzgebung von 2001.

Wie steht es aber mit Fotos von Gemälden oder anderen Kunstwerken, die man in Museen und auf Ausstellungen sieht? Wann darf man ein Kunstwerk fotografieren und diese Fotografie im Internet veröffentlichen oder kommerziell nutzen?

 

Diese Frage regelt ebenfalls das Urheberrecht:

 

Zu Lebzeiten verfügt der Künstler selbst über die Rechte an seinem Werk.

Im Zeitraum bis zu 70 Jahren nach dem Tod des Künstlers geht dieses Recht auf die Erben über.

70 Jahre nach dem Tod des Künstlers wird das Werk gemeinfrei.

Wie bei der Panoramafreiheit sind auch diese Schutzfristen nicht EU-weit gültig. So gewährt das französische Urheberrecht längere Schutzfristen, um die Dauer der Weltkriege zu kompensieren.  Hier gelten Fristverlängerungen für den Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie für Personen, die für Frankreich im Zweiten Weltkrieg gefallen sind.

 

Was aber steht es mit den Rechten der Besitzer/Eigentümer der Bilder, die diese der Öffentlichkeit zur Schau stellen wie dies bei Museen der Fall ist?

 

Hierzu gibt es keine generelle Lösung. Jedes Museum kann selbst festlegen, ob fotografiert werden darf und wenn ja, ob man die Fotos veröffentlichen kann. Für Journalisten oder Blogger gelten Sonderrechte. Es gilt also, die “Hausordnung” der Museen zu studieren, die zum Beispiel auf den jeweiligen Websites zu finden sind.

 

Die Königlichen Museen der Künste in Brüssel schreiben in ihren “visitors regulations”, Article 25:

 

“During public opening hours, visitors are authorized to photograph or film (including video) the works of art in the permanent collections of the Oldmasters Museum, Modern Museum and Fin-de-Siècle Museum (except for artworks with a logo), for private use only. Under no circumstances may the images be disseminated. Photography or filming is strictly forbidden in the Magritte Museum and temporary Exhibitions.”

 

Dabei stellt sich auch die Frage, ob man Fotos von Kunstwerken, die vom Besitzer ins Internet gestellt wurden, ohne Genehmigung nutzen darf.

 

In der Regel bedarf die Veröffentlichung und Nutzung dieser Fotos ebenfalls einer Genehmigung der Besitzer.

 

Übrigens: Fotos von Kunstwerken kann man auch kaufen, dann wurden die Rechte auf einer anderern Ebene geklärt und man geht kein Risiko ein.

 

Dieser Beitrag ist sicher nicht vollständig und nicht als Rechtsberatung zu verstehen.

 

 

Fondation Louis Vuitton und das Musée National Picasso

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Europa lebe hoch – jetzt erst recht nach Paris.

 

Paris ist immer eine Reise wert, besonders auch für Kunstliebhaber. Und für die gibt es weitere Highlights.

 

Die Fondation Louis Vuitton im Bois de Boulogne in Paris wurde 2006 als private Kulturintiative der LVMH Group gegründet. Das kürzlich fertiggestellte Gebäude entstand nach den Plänen des amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry.

 

In den vielen Räumen dürfte jeder auf seine Kosten kommen: die ständige Sammlung beherbergt Größen wie Richter, Polke oder Giacometti. Ein echter Hingucker ist “Mann im Matsch” von Thomas Schütte. Ein Mann sucht mit einer Wünschelroute nach Wasser, ein sehr aktuelles Thema denkt man beispielsweise an Kalifornien. Daneben sorgen die Wechselausstellungen für Furore wie zum Beispiel « les clefs d’une passion » mit “Der Schrei” des norwegischen Malers Edvard Munch und vielen anderen Meistern wie Dix, Monet oder Mondrian.

 

http://www.fondationlouisvuitton.fr/en/Informations-pratiques.html

 

Bei Picasso scheiden sich die Geister. Manche finden ihn schlicht hässlich, andere atemberaubend.

 

Wie auch immer: das neu eröffnete Musée National Picasso bietet eine umwerfende Fülle an Gemälden, Skizzen und Skulpturen des Künstlers. Die weltweit größte Sammlung.

 

http://www.museepicassoparis.fr

Dies ist keine Ente : Eine Ente im Dienst der Kunst.

interDuck

10 AUGUSTUS 2015

interDuck

 

Als Wanderausstellung habe ich sie in Lille gesehen ;Die Meisterwerke der Kunst diesmal mit Ente. Die Berliner Truppe “InterDuck” hat sie entwickelt,die etwas andere Ausstellung, die die Bestände vieler großer Museen fröhlich aufzumischen scheint. Automatisch schaut man zweimal hin, bevor man zu schmunzeln beginnt. Meine Lieblingsbild: der arme Poet, ursprünglich von Carl Spitzweg. Denn bei der Betrachtung dieses Bildes wird mir klar: ausgerechnet eine Ente ist wie keine andere Kreatur befähigt, die Armseligkeit des Menschen, insbesondere vieler Künstler aus früheren Zeiten darzustellen.

 

Ein weiterer Vorteil: nach dem Besuch kennt auch der letzte Kunstbanausedie berühmten Werke von Cranach, Breughel, Bosch, Rubens, Vermeer, Leonardo da Vinci u.a.

 

Originell und lehrreich!

 

Wann die nächsten Enten welches Museum auffrischen?

 

Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim

September 2015 – 3. April 2016

 

http://www.duckomenta.com

 

Orientalische Motive

 

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9 AUGUSTUS 2015

Woher kommt die Tulpe? Aus Amsterdam? Falsch! Die Tulpe stammt aus dem Orient wie man beim Anblick des Gemäldes mit der wunderschönen Tulpe von Conrad Gessner (1559) begreift.

Aber das ist nicht das Einzige, worüber man in der Ausstellung “Die Welt des Sultans: die Ottomanen in der Kunst der Renaissance” staunen kann. Als die Ottomanen 1453 Konstantinopel erobern und 1529 vor den Toren Wiens stehen, wächst auch das Interesse westlicher Künstler an diesem Volk und es sind Diplomaten, Pilger und ehemalige Gefangene, die ihnen neue Kenntnisse verschaffen. Diesem Interesse verdankt die Welt großartige Kunstgegenstände, von denen die Ausstellungen viele zeigt unter anderem Teppiche, Gemälde, dekorative Uhren, Bücher.

Besonders beeindruckt hat mich die Porträt Serie der ottomanischen Sultane von Paolo Veronese sowie das eher kleine Gemälde “der orientalische Reiter” von Albrecht Dürer, das auf das Jahr 1495 geschätzt wird.

Die Ausstellung läuft in Brüssel im Palais des Beaux-Arts/Paleis voor Schone Kunsten (BOZAR) noch bis 31.05.

Retrospektive Chagall

Spaziergang

 

Bei Chagall denke ich immer an Engel. Da gab es ja auch viele, die sogar standesgemäß an Kirchenfenstern schweben zum Beispiel an denen des Fraumünsters in Zürich.

Aber jetzt schweben sie und andere engelsgleiche Wesen in Brüssel und zeugen vom reichen Schaffen des großen Künstlers: Auf dem Gemälde “Der Geburtstag”(1915) schwebt er selbst mit seiner geliebten Bella, auf “Der Spaziergang” (1917 siehe unten) hält er die schwebende Bella fest an der Hand.

Reisende Künstler

 

Was haben Paul Gauguin (1848 – 1903) und Jean Portaels (1818 – 1895) gemeinsam?

Auf den ersten Blick nicht viel, der eine Franzose, der andere Belgier, ein Stück des Weges Zeitgenossen, Gauguin begeistert von Tahiti, Portaels vom Orient.

Und doch gibt es eine Gemeinsamkeit: beide sind “Travelling Artists”, reisende Künstler.

Mit Portaels beschäftigt sich derzeit eine Ausstellung in Brüssel. Insbesondere geht es um seine Orientreisen zwischen 1845 und 1847. Auf der Rückreise hatte er stolz im Gepäck: Skizzen und Ideen.

So werden viele dieser Skizzen, aber auch Gemälde, die Portaels später daraus schuf, gezeigt:

Einige der schönsten Werke sind

o Kairo 1846

o Ägyptisches Land 1846

o Das witzige rennende Dromedar, ein Aquarell aus 1845 – 47

o Der Syrer: kraftvoll und stolz

o Sulamith 1856

o Karavane in Syrien, überrascht durch einen einen trockenen Sandsturm, Öl auf Tuch 1854 – 1855

Portaels und der Ruf des Orients, Brüssel, Koninklijke Musea voor Schone Kunsten/Musées Royaux des Beaux-Arts, noch bis 31.05.

 

Die Fondation Beyeler holt mit der Ausstellung Gauguin die Südsee in die Schweiz.

Gauguin zieht es in eine andere Richtung als Portaels: er schwärmt von Tahiti.

“Ich nehme meine Farben und Pinsel mit und will fern von allen Menschen neue Kraft schöpfen.”

Und so werden 50 Meisterwerke aus Museen wie der Eremitage in Sankt Petersburg oder dem Puschkin Museum in Moskau, aus Museen in Dresden, Zürich und Basel oder aus Privatsammlungen gezeigt, die der Künstler auf Tahiti geschaffen hat. Seinen Werken zugrunde liegen die Suche nach einem verlorenen Paradies, nach einer exotischen Welt, die Traum und Wirklichkeit, Natur und Kultur verbindet. Aus all der farbenfrohen Pracht ist mein Lieblingsbild: “Bonjour Monsieur Gauguin” von 1889. Es zeigt den Reisenden, der nie wirklich ankommt.

Zu sehen noch bis zum 28.06. in der Fondation Beyeler in Riehen/Basel.

 

 

 

Was versteht man unter Japonismus?

 

Inspiration Japan

Wer kennt den Begriff Japonismus?

Die Kunsthalle Zürich erklärt ihn kurz und bündig:

Kein Stil oder Epoche, sondern Leidenschaft für die japanische Kunst & Kultur.

Wer sich ein Bild von dieser Begeisterung machen will, besucht am besten die Ausstellung “Inspiration Japan”,

die das Kunsthaus Zürich noch bis zum 10.Mai präsentiert.

Ganz großartige Gemälde wie von Monet, Gauguin, van Gogh, aber auch Masken und typische japanische Gebrauchsgegenstände werden gezeigt.

Auch wenn der Fokus auf den Jahren zwischen 1860 -1910 liegt, als sich viele französiche Künstler von Japan inspirieren ließen, fand ich es doch schade, dass der Begriff Japonismus nicht in einen größeren Zusammenhang gestellt wurde. Denn wie eine Ausstellung in Köln im vergangenen Jahr zeigte, gab es auch Künstler in anderen Ländern, die der Faszination Japan erlagen, wie zum Beispiel Paul Klee (1879 – 1940).

MONS (Bergen) Europäische Kulturhauptstadt 2015

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Warum ist eine Kleinstadt mit 95.000 Einwohnern in der unscheinbaren belgischen Provinz Henegouwen Kulturhauptstadt? Die Antwort ergibt sich erst nach einem Abstecher dorthin:

Weil die Stadt völlig zu Unrecht unbekannt ist.

Mons wartet wie man das auch von anderen Kulturhauptstädten kennt mit vielen Ausstellungen und Ereignissen auf wie zum Beispiel derzeit mit der Ausstellung zu Vincent Van Gogh. Das aber ist nur Zubrot. Die Stadt selbst ist die Attraktion: Der historische Kern, fast unberührt, manchmal bis zur Renovierungsbedürftigkeit, aber echt und unverschandelt. Die wenigen neueren Gebäude zwischendurch vorbildlich integriert. Verkehrsberuhigt und damit wie fast vor dem Automobil ungewohnt erholsam. Beispiele sind der Grand Place und der Marché aux Herbes. Wunderschöner Belfried (Beffroi), im Barockstil zwischen 1661 und 1972 erbaut und Wahrzeichen der Stadt. Zu dessen Füssen liegt die imposante gotische Kirche der Hl. Waltraud, deren Überreste sie in einem Schrein beherbergt. Nicht weniger interessant ist die Heilige Elisabeth Kirche aus dem 18. Jahrhundert, deren Glockenturm von 1720 schon von Weitem sichtbar ist. Ein neues Kongresszentrum von Daniel Libeskind soll es auch geben, aber das ist dann fürs nächste Mal.

 

Europa in der Kunst – Europe in art

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Welches Kunstwerk symbolisiert am besten Europa?

Die Antworten der Besucher der Ausstellung “Europa in der Kunst”, die derzeit im Kunsthaus Zürich läuft, dürften sehr unterschiedlich ausfallen.

Eine, nämlich meine Wahl fiel auf die Neonschrift

“Demo n kratie” des Künstlers Kader Attia (2010).

Durch die kleine Veränderung mit der Einfügung des Buchstaben n wird aus der Volksherrschaft die Hölle. Nichts könnte prägnanter und treffender verdeutlichen, wie leicht Demokratie beschädigt und abgebaut werden kann und sie deshalb stets wachsam verteidigt werden muss.